
Solidarische Ökonomie
Unter einer Solidarischen Ökonomie verstehen wir solche Formen des Wirtschaftens, die nicht den individuellen Vorteil und Profitstreben zum Ziel haben, sondern die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse auf der Basis von Solidarität, Kooperation und demokratischer Teilhabe in den Mittelpunkt stellen. Dies schließt für uns auch den verantwortungsbewussten und damit nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen und dem Planeten Erde ein.
Wir orientieren uns bei FairBindung e.V. an dem Leitbild einer solidarischen und nachhaltigen Wirtschaft, die wir einerseits in unserem eigenen Wirtschaftsbetrieb mit dem Kaffeehandel zu verwirklichen suchen und zugleich indem wir durch die Vereinsarbeit, insbesondere auch unsere Bildungsprojekte den Gedanken der Solidrischen Ökonomie und der Nachhaltigkeit weiter verbreiten.
FairBindung e.V. ist Mitglied im Netzwerk Solidarische Ökonomie.
Was ist Solidarische Ökonomie?
Eine allgemeingültige Definition zu Solidarischer Ökonomie gibt es nicht; es existieren zahlreiche Ansätze, Vorstellungen und Ideen, die sich unter diesem Begriff subsummieren lassen. Der Begriff unterliegt dabei einer äußerst heterogenen Verwendung, die abhängig von Kontext und Region, hinsichtlich der ihr zugehörigen Akteure, der Abgrenzung zu Staat und Markt etc. variiert. Zudem sind zahlreiche weitere Begriffe im Umlauf, die teilweise synonym verwendet werden. (Economia Social/Social Economy/Solidary Economy/Economia Solidária).
Wir verstehen unter dem zunächst paradox erscheinenden Begriffspaar Solidarische Ökonomie solche Formen des Wirtschaftens, die nicht den individuellen Vorteil und Profitstreben zum Ziel haben, sondern die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse auf der Basis von Solidarität, Kooperation und demokratischer Teilhabe in den Mittelpunkt stellen. Dazu gehören die folgenden Werte und Prinzipien:
- Demokratische und partizipative Strukturen, in denen allen das gleiche Mitspracherecht zuteil ist
- nicht für den persönlichen Profit zu wirtschaften, sondern sich an den Bedürfnissen der Mitarbeiter_innen sowie der Gemeinschaft zu orientieren
- nicht zu konkurrieren sondern zu kooperieren und sich im Sinne der Solidarität gegenseitig zu unterstützen
- aus eigener Initiative und basierend auf Selbstorganisation und gegenseitiger Hilfe zu wirtschaften
- sich am Leitbild der Nachhaltigkeit orientieren und sorgsam mit natürlichen Ressourcen umgehen
Solidarische Ökonomie kann in unterschiedlichen Räumen und Dimensionen stattfinden. Meist wird sie auf lokaler Ebene praktiziert. Fairer Handel, der in der Regel große räumliche Distanzen überwindet, ins unserem Fall von Santiago de Atitlán nach Berlin ganze 10.000 km kann jedoch auch als Form der Solidarischen Ökonomie bezeichnet werden. Solidarische Ökonomie kann also unterschiedlich große wirtschaftliche Einheiten umfassen. Sie manifestiert sich entweder in Form solidarischer Einzelunternehmen oder Projekte (Selbstverwaltete Betriebe, Kooperativen, gemeinschaftliche Wohnprojekte, Tauschringe Umsonstläden etc.), anhand großer Zusammenschlüsse von Kooperativen, oder in Gestalt alternativer regionaler Wirtschaftssysteme (z.B. ALBA).
Einschränkend ist jedoch festzuhalten, dass Solidarische Ökonomie nicht jede beliebige Form ökonomischer Selbstorganisation umfasst, vielmehr müssen bewusst solidarische Ziele durch wirtschaftliches Handeln verfolgt werden.
Solidarische Ökonomie besitzt dabei zwei Facetten: Zum einen die Kritik am bestehenden ökonomischen System, sowie zum anderen die praktische Erprobung von Alternativen.
Insbesondere in Lateinamerika erfährt die Solidarische Ökonomie heute eine dynamische Entwicklung. Doch auch in Deutschland erfahren Formen des solidarischen Wirtschaftens in den vergangenen Jahren wieder vermehrt Interesse. So hat sich gerade das Netzwerk Solidarische Ökonomie gegründet, um die Vielzahl der Betriebe, Organisationen und Netzwerke der Solidarischen Ökonomie noch stärker miteinander zu vernetzen und die politischen Rahmenbedingungen für ihre Arbeit zu verbessern.
Was heißt Solidarität?
Der Begriff der „Solidarität“ durchläuft eine lange begriffsgeschichtliche Entwicklung. Seine historischen Wurzeln reichen von der Rechtskategorie, über die Verwendung als revolutionäre Lösung bis hin zur Kampfsolidarität des Marxismus. Somit erlebt die Solidarität im Laufe der Zeit einen vielfachen Bedeutungswandel, der sich noch heute in sehr heterogenen Auffassungen manifestiert. So berufen sich gleichermaßen Sozialisten wie Katholiken auf das Ideal der Solidarität, verstehen aber in vielerlei Hinsicht etwas ganz anderes darunter.
Eingang in den deutschen Sprachgebrauch findet die Solidarität über das französische Adjektiv »solide«, welches sich wiederum vom Lateinischen »solidus« ableitet. Das deutsche Adjektiv »solide« ist mit den Bedeutungen »fest an zusammenhängender Masse, stark und sicher gegründet« behaftet, im übertragenen Gebrauch auch als »gründlich, zuverlässig, rechtlich, gesetzt, frei von Leichtsinn, Flüchtigkeit und moralischem sich gehen lassen« definiert. Im Duden Fremdwörterbuch ist die »Solidarität« als »Zusammengehörigkeitsgefühl« und »Gemeinsinn« notiert. Dem Adjektiv »solidarisch« werden die Inhalte »füreinander einstehend, gemeinsam, eng verbunden« zugeordnet. Trotz dieser heterogenen Zuschreibungen weist die Solidarität zumindest ein gemeinsames Element, eine deskriptive Schnittmenge, auf. Diese besteht in der „Idee eines wechselseitigen Zusammenhangs zwischen den Mitgliedern einer Gruppe von Menschen.“
Der Zusammenhalt basiert auf substantiellen und inneren, sprich emotionalen, Gemeinsamkeiten und hat daher den Charakter einer Gemeinschaft. Dieser Gemeinschaftscharakter schließt sowohl die Erwartungshaltung, Hilfe im Bedarfsfall zu bekommen, als auch die Bereitschaft diese Hilfe zu leisten, mit ein. Hilfsbereitschaft darf in diesem Kontext nicht als bloße Philantrophie verstanden werden sondern als Mittel, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Dabei werden Weg und Ziel auswechselbar, erfahren die Gemeinschaftsmitglieder doch schon auf dem Weg, was der Mensch zu sein vermag, sobald er sein Ziel erreicht hat. So stellt BAYERTZ in seinem Sammelwerk über Begriff und Problem der Solidarität fest: „[Die] praktizierte Solidarität wird zu einem Stück gelebter Utopie, zur [partiellen] Realisierung eines bisher unrealisierten Ideals.“
Die bloße Gemeinsamkeit der Interessen ist jedoch nicht hinreichend für Solidarität. Der Gemeinschaft und ihre Absichten wird in ihren Handlungen Legitimität unterstellt. Hilfe wird mit dem vollen Bewusstsein erbracht, wichtige und berechtigte Interessen durchzusetzen; schließlich sind Ziel und Selbstverständnis politischer und sozialer Emanzipationsbewegungen in ihrer Wahrnehmung immer die Realisierung gerechter Ziele, nicht die Durchsetzung nackter Interessen.




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