Solidarischer Handel

Die Coyotes und der Zwischenhandel

Die Produzent_innen der Kooperative AMNSI haben bis vor wenigen Jahren ihren Kaffee ausschließlich an die sogenannten Coyotes, die Zwischenhändler in Guatemala verkauft. Diese kaufen die frisch geernteten Kaffeekirschen direkt von den Produzent_innen ab und bieten nicht nur sehr schlechte und täglich schwankende Preise an, sondern betrügen oftmals auch beim Abwiegen des Kaffees. Vielen unbekannt ist die Tatsache, dass das Produkt Kaffee an der Börse gehandelt wird; Nach Erdöl ist Kafee der wichtigste gehandelte Exportrohstoff. Damit schwankt der Kaffeepreis täglich und ist insbesondere in der letzten Zeit zu einem beliebten Spekulationsobjekt geworden. Der Preis, den die Coyotes den Produzent_innen bezahlen, richtet sich stark an den aktuellen Weltmarktpreisen aus.
Durch die Zusammenarbeit zwischen AMNSI und FairBindung haben die Produzent_innen nun die Möglichkeit, einen Großteil der Ernte über die Kooperative, in der sie zusammengeschlossen sind, nach Deutschland zu exportieren und dabei weitaus bessere Bedingungen zu erhalten.

Fairer Handel

Der Faire Handel ist heute den meisten Menschen ein Begriff. Er steht für faire und damit über dem Weltmarkt liegende Preise und die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards. Mehr zum Thema Fairer Handel und Fair Trade Standards gibt es z.B. beim Forum Fairer Handel.
In unserer Kooperation mit der Kooperative AMNSI legen wir die Prinzipien des Fairen Handels zu Grunde und gehen noch über diese hinaus. Das heißt:

  • wir vereinbaren gemeinsam mit der Kooperative einen Preis für den Kaffee. Dabei nennt die Kooperative zunächst den Preis, den die Produzent_innen sich wünschen würden. Im Dialog wird dann der höchstmögliche Preis gefunden, der sowohl für die Kooperative, als auch für FairBindung realisierbar ist. Dieser liegt weit über den durchschnittlichen Weltmarktpreisen und berücksichtigt sowohl die hohe Qualität des Kaffees, als auch den biologischen Anbau. Diesen Mindestpreis zahlen wir in jedem Fall, unabhängig davon, ob der Weltmarktpreis für Kaffee sinkt und welchen Preis die Coyotes in Guatemala bezahlen. Der Mindestpreis den wir für die Ernte 2010/2011 an AMNSI bezahlen liegt bei 5,20 € pro Kilo Rohkaffee.
  • Steigt der Preis auf dem Weltmarkt an und übersteigt unseren Mindestpreis, so erhöhen wir unseren Preis ebenfalls. Dabei bezahlen wir immer mindestens den Preis der Zwischenhändler zuzüglich einer Prämie für die solidarische Produktion in der Kooperative und die Bio-Qualität.
  • Im konventionellen Handel wird der Kaffee bei Übergabe der Ware bezahlt. Im Fairen Handel dagegen, der nahezu immer mit Kleinstproduzent_innen und Produzent_innengemeinschaften arbeitet, wird anerkannt, dass vor und während der Ernte erhebliche Kosten anfallen. Kann die Kooperative diese nicht selbst vorstrecken, müsste sie völlig überteuerte Kredite aufnehmen und sich hoch verschulden. Daher wird ein Teil des Kaufpreises der Ernte als Vorkasse geleistet. Im Fairen Handel üblich sind 50-60%. In unserer Zusammenarbeit mit AMNSI bezahlen wir derzeit sogar 90% des Kaufpreises als Vorkasse!
  • Bei Fairem Handel denken wir meist nur an faire Preise. Doch eben so wichtig ist die Gewissheit, in den kommenden Jahren eine bestimmte Menge zu einem bereits feststehenden Mindestpreis verkaufen zu können. Denn das ermöglicht eine Planungssicherheit, sowohl für die in der Kooperative zusammengeschlossenen Produzent_innen, als auch für die Kooperative selbst.

Mehr als fair – solidarischer Handel

Der Faire Handel allein reicht uns nicht. Angesichts von „fair“ gehandelten Produkten bei Discountern, die seit Jahren immer wieder wegen der Missachtung von Arbeiter_innen-Rechten und Preisdumping für Lebensmittel in der Kritik stehen, erscheint es uns notwendig, tatsächliche Alternativen zu bestehenden Handels- und Wirtschaftsstrukturen auszuprobieren. Unser Ziel ist eine Solidarische Ökonomie, die sich nach den menschlichen Bedürfnissen richtet anstatt das Profitstreben weniger in den Vordergrund zu stellen. Mehr dazu, was Solidarische Ökonomie bedeutet, könnt ihr hier lesen.Konkret heißt das für uns, dass wir eine möglichst vollständige Produktions- und Wertschöpfungskette erreichen wollen, die nach den Prinzipien der Solidarischen Ökonomie gestaltet ist.

  • Das beginnt mit der Kooperative AMNSI, in der die Mitglieder demokratisch mit gleichen Stimmrechten zusammengeschlossen sind.
  • Da AMNSI selbst bisher keine geeigneten Maschinen zur Weiterverarbeitung besitzt, übernimmt dies der Dachverband der Kaffee-Kooperativen „Fedecocagua“.
  • Bisher noch keine Alternative haben wir zu großen kommerziellen Reedereien gefunden, um den Kaffee von Guatemala nach Deutschland zu transportieren.
  • In Hamburg wird der Kaffee bei Quijote-Kaffee gelagert und geröstet. Quijote-Kaffee wird von Pingo betrieben, der sich seit langer Zeit für solidarischen Handel engagiert und nach solidarischen Prinzipien arbeitet. In seiner Rösterei wird nur Kaffee aus solidarischem Handel geröstet und verkauft.
  • Wir von FairBindung sind in einem gemeinnützigen Verein zusammengeschlossen. Wir arbeiten ohne jegliche Profitinteressen. Alle Überschüsse, die durch den Kaffee erwirtschaftet werden, fließen in die Finanzierung unserer Bildungsangebote. Diese zielen wiederum darauf, jungen Menschen alternative und nachhaltige Formen des Wirtschaftens näher zu bringen. In unserem Alltag versuchen wir stets Produkte und Dienstleistungen aus solidarischen/fairen und regionalen Angeboten zu beziehen. Angefangen beim Strom im Büro, über den Einkauf von Büromaterialien bis hin zu Limo, die wir trinken. Zudem vernetzen wir uns mit vielen anderen Initiativen, um die Idee der Solidarischen Ökonomie bekannter zu machen.
  • Und am Schluss seid da noch ihr: Die Konsument_innen. Wir wollen euch nicht nur einen tollen Kaffee mit einer spannenden Geschichte anbieten, sondern auch euch dafür gewinnen, euch mit der Herkunft und den damit verbundenen Auswirkungen der Dinge zu beschäftigen, die ihr in eurem Alltag so konsumiert. Und wir hoffen, dass die eine oder der andere von euch vielleicht auf den Geschmack kommt und sich hier und da mal umschaut, was es eigentlich alles so für Alternativen gibt…

Und das Logo?

Viele Produkte aus Fairem Handel sind mit dem Transfair-Siegel als solche zu erkennen. Das Siegel soll es Verbraucher_innen ermöglichen, Produkte aus Fairem Handel schnell zu erkennen und Sicherheit über die faire Herstellung zu erhalten.
Wir haben uns bewusst gegen ein (Transfair-) Siegel für unseren Kaffee entschieden. Grund hierfür ist zum einen die oben angeführte Kritik an als „fair“ zertifizierten Produkten bei ausbeuterischen Ketten. Das Siegel gibt allein Auskunft über die Einhaltung von Mindeststandards bei den Produzent_innen, sagt jedoch nichts über die weitere Wertschöpfungskette der Produkte aus. Zudem wird auch immer wieder Kritik an der Preispolitik im Fairen Handel laut, da die Mindestpreise (insbesondere für Kaffee) häufig den Realitäten der Produzent_innen und den tatsächlichen Preisentwicklungen einfach nicht entsprechen.
Wir glauben, dass unser persönlicher Kontakt zu AMNSI und den Produzent_innen, der regelmäßige Austausch, der Besuch der Kooperative und der Plantagen und ein über Jahre gewachsenes Vertrauensverhältnis weit mehr Wert sind als ein anonymes Siegel. Dieses würde zudem mehrere tausend Euro an Kosten verursachen, von denen wiederum die Kooperative und ihre Mitglieder rein gar nichts hätten.
Wozu wir uns hingegen entschieden haben, ist das Bio-Siegel. Der Kaffee von AMNSI wird schon seit vielen Jahren rein organisch und ohne chemische Dünger oder Schädlingsbekämpfung angebaut. Um den Kaffee in Deutschland als Bio-Kaffee anbieten zu dürfen, ist das Bio-Siegel verpflichtend.

Wir hoffen, dass die Transparenz die wir bieten auch für euch ausschlaggebend für den Kauf des Kaffees ist und ihr ebenso wie wir auf ein Siegel auf den Kaffeepäckchen verzichten könnt. Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt, freuen wir uns sehr über jede Rückmeldung!